Hauptseite   News   Galerie   Bibliothek   IHS   Sonstiges  
 
Die Entwicklungsgeschichte der Ofenkachel
     

Becherkachel

Tellerkachel

Napfkachel

Napfkachel mit erhöhtem Boden

 

Der Kachelofen erweist sich im Gegensatz zum Kaminfeuer in zweifacher Hinsicht als ideale Raumheizung. Er kann von einem gesonderten Raum aus beheizt werden und verhindert damit eine störende Rauchentwicklung in der Stube. Das Einfügen von Keramikteilen in die Ofenwandung vergrößert die Ofenoberfläche und erlaubt eine gleichmäßige Wärmeabgabe bei geringem Holzverbrauch. Nach dem Verlöschen des Feuers bleibt der Ofen durch die Speicherwirkung der Keramik noch lange Zeit warm.

Die Öfen setzten sich von Anfang an aus zwei Teilen zusammen: einem beheizbaren Feuerkasten und einem darüber liegenden Oberofen, der die Hitze des aufsteigenden Rauchs in Wärme umsetzte. Die gesamte Ofenkonstruktion stand auf einem gemauerten Sockel oder auf Ofenfüßen aus Holz, Keramik, Metall oder Stein. Wie sich aus zeitgenössischen Abbildungen ersehen läßt, diente der Kachelofen von Anfang an nicht alleine zum Beheizen des Wohnraumes. So wurde er meist von einer kniehohen, hölzernen Bank, der Ofenbank umschlossen. In Bauernhäusern kann man gelegentlich eine Liegestatt auf, oder besser gesagt hinter dem Ofen beobachten. Hinzu kamen von der Decke herabhängende Stangen, an denen Kleidungsstücke oder Lebensmittel rußfrei getrocknet werden konnten. Ofeneinbauten aus Metall oder Keramik nutzten die Abwärme zum Garen von Speisen und zum Anwärmen von Wasser.

Die bislang ältesten Ofenkacheln wurden in Form von Bechern und Schüsseln auf der schnelldrehenden Töpferscheibe geformt und im losen Verband in die aus Lehm bestehende Ofenwandung eingebaut. Bereits in der Frühzeit brachte trotz der verglichsweise einfachen und einheitlichen Produktionsweise eine große Bandbreite an Formen hervor. Sie reicht von den Becher- und Schüsselkacheln bis zu ornamental verzierten Pilzkacheln und Tellerkacheln. Über das Aussehen der Öfen informieren zeitgenössische Belege, wie die Darstellung eines Kachelofens auf der Züricher Wappenrolle aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verdrängten Napfkacheln die bis dahin üblichen Formen der scheibengedrehten Ofenkacheln. Sie unterscheiden sich von ihren Vorgängern durch den quadratisch ausgezogenen Rand. Ihre Grundform erlaubt es, die gesamte Ofenoberfläche mit Kacheln zu besetzen und damit optimal zu vergrößern. Die Kacheln waren nun nicht mehr bloß Zutat zu einem Ofen, sondern dessen äußere Haut. Öfen mit Napfkacheln bilden im Untersuchungsraum das Gros der Ofenkacheln. Sie fanden als preiswerte Raumheizung bis ins 18. Jahrhundert Verwendung.

Mit der Aufwertung des Hausrates wurde auch der gotische Ofen in die allgemein wachsende Schmuckfreude einbezogen. Als idealer Bildträger entstanden in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Nischen- und Blattkacheln. Die hochrechteckige Nischenkachel besteht aus einem auf der Töpferscheibe geformten Halbzylinder. An seiner Vorderseite ist ein modelgepreßtes Vorsatzblatt angarniert, dessen durchbrochenes Innenfeld den Blick auf den dahinter liegenden Halbzylinder freigibt. In Ausnahmefällen verzierte man auch die Innenseite des Halbzylinders mit einem Relief. Die zwischen 1350 und 1500 entstandenen Nischenkacheln lassen sich stilistisch mit Hilfe des auf ihnen angebrachten Maßwerks genauer datieren. Die meisten Kacheln dieser Art mit streng linearem Maßwerk sind in Dieburg gefertigte Nischenkacheln vom Typ Tannenberg. Jedoch fanden sich in der Schweiz, in Südwestdeutschland und in Böhmen auch ältere Belegstücke dieses Kacheltypus.

Gegen 1500 wurden die Nischenkacheln fast vollständig von den Blattkacheln verdrängt. Blattkacheln besitzen ein geschlossenes Vorsatzblatt. An ihrer Rückseite befindet sich anstelle eines Halbzylinders ein umlaufender, keramischer Steg, die Zarge oder der Tubus. Sie verankert das Relief im Ofenkörper. Der Übergang zwischen Nischen- und Blattkachel ist fließend. So läßt sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Brauch belegen, die Rückseite mit einem nicht mehr sichtbaren Halbzylinder auszustatten. Um den Wärmeaustausch zu gewährleisten, mußte dieser durch eine senkrechte Aussparung geöffnet werden.

Zum Seitenanfang

 
 

Napfkachel mit Vorsatzblatt

Nischenkachel

Nischenkachel mit geschlossenem Vorsatzblatt

Blattkachel