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Eine Tellerkachel aus Altdahn/Pfalz*
     
 
 

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Tellerkachel aus Altdahn/Pfalz

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Tellerkachel mit bekröntem Adler in Randwulst, grün glasiert ; südlicher Oberrhein, zweite Hälfte 14. Jh.

Altdahn, Burgmuseum

 

Die Tellerkachel aus der Burg Altdahn ist in der vorliegenden Form noch weitgehend intakt. Rötliche Einfärbungen der grünen Glasur, wie sie besonders im Randbereich deutlich werden, deuten auf einen Sekundärbrand im Zusammenhang mit der Zerstörung des Ofens hin.

Das grün glasierte, runde Bildfeld wird von einem breiten, vorstehenden Grat eingefaßt. Ein weiterer, jedoch nur leicht vorstehender und mit Tauband besetzter Grat leitet zu dem am tiefsten gelegenen, zentralen Medaillonfeld über, das zur Gänze von einem bekrönten Adler mit ausgebreiteten Schwingen eingenommen wird. Obwohl der Kopf von der Seite gesehen wird, bildete man den gesamten Körper des Raubvogel in der Frontalansicht ab.

Aufgrund der schematischen Darstellung des Adlers ist es kaum möglich, Bildmotive aus der bildenden Kunst anzuführen, die der Kachel als direkte Vorlage dienten. Zwar wurde oft versucht, die Druckgraphiken des oberrheinischen Meisters ES für vergleichbare Motive heranzuziehen, doch gibt es eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten. Sie reichen von Tierdarstellungen auf Chorgestühlen bis zur Hirschdarstellung auf Musterbüchern. Hinzu kommt, daß die Werke des Meisters ES zeitlich mehr als hundert Jahre später einzuordnen sind wie die vorgestellte Kachel. In der gesamten Bildauffassung gleicht das Altdahner Relief am ehesten den ebenfalls sehr schematischen Adlern auf Bodenfliesen des 13. und 14. Jahrhunderts.

Die Kachel gehört zur Gruppe der Tellerkacheln. Nach Jürg Tauber bestehen Tellerkacheln aus einem modelgepreßten oder scheibengedrehten Vorsatzblatt, das in jedem Fall rund sein muß, sowie aus einem scheibengedrehten Tubus. Das Vorsatzblatt der Altdahner Kachel wurde mit seiner Vorderseite in ein Model eingedrückt. Die Vermutung liegt nahe, daß man den Tubus an dem noch im Model liegenden Vorsatzblatt befestigte. Dies bestätigen auch Beobachtungen an Zweibrücker Tellerkacheln, auf deren Rückseite ein Becher samt Boden angedreht und der Boden erst später, allerdings noch in lederhartem Zustand, abgeschnitten wurde. Tellerkacheln eignen sich ideal zur Anbringung von Reliefs. Im Gegensatz zu den Pilzkacheln kann der Dekor auf eine verhältnismäßig glatte Fläche aufgetragen werden.

Tellerkacheln lassen sich in vollständig scheibengedrehte Tellerkacheln - solche sind beispielsweise aus Altdahn, Eschelbronn, Geislingen, Heidelberg und Zweibrücken bekannt - und in modelgeformte Tellerkacheln unterteilen. Die hier vorgestellte Kachel aus Altdahn gehört - wie auch Tellerkacheln aus Gottesaue, Lörrach und Waldkirch - der zweiten Gruppe an. Nach 1350 setzt nach Jürg Tauber der Reliefdekor ein. Dargestellt sind in der Regel Tiere, später auch menschliche Köpfe und groteske Fratzen. Nahe verwandt mit den Tellerkacheln sind Napfkacheln mit erhöht eingebrachtem Zwischenboden, wie sie beispielsweise aus Alt-Krautheim, Ettlingen (Lauergasse), Heidelberg (Kornmarkt) und Schwäbisch Hall bekannt sind. Eine Zwischenstufe bilden Tellerkacheln mit vierpaßförmiger Mündung aus dem Lanzenhof in Konstanz aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts.

Reliefierte Tellerkacheln sind in der gesamten Nordschweiz (Basel, Bern, Zürich), im Bodenseeraum (Konstanz) und am Oberrhein (Straßburg) verbreitet. Als nördlichste Ausläufer sind die Tellerkacheln in Erbach und Schloß Gottesaue in Karlsruhe anzuführen. Auch die technischen Merkmale weisen die Altdahner Tellerkachel im Vergleich mit Ofenkeramik aus Bern eher dem nordschweizer als dem oberrheinischen Kunstschaffen zu.

Die frühesten Tellerkacheln sind für die Schweiz in der Zeit um 1300 belegt. Jürg Tauber leitet die Tellerkachel von der Schüsselkachel ab. Die Schüsselkachel besitzt eine ähnliche Form wie die Becherkachel, doch hat sie gegenüber den älteren Becherkacheln eine wesentlich breitere Mündung und eine geringere Höhenerstreckung. Um ein Dekor auf dem Boden der Schüsselkachel sichtbar zu machen, muß man deren Boden weit nach vorne rücken. Damit sich die stark verflachte Schüssel nicht aus der Ofenwand löst, setzte man an der Rückseite einen Tubus an.

Schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts verliert die Tellerkachel - wie auch die Pilzkachel - zunehmend an Bedeutung. Der Grund dürfte in erster Linie darin zu suchen sein, daß man ab diesem Zeitpunkt die Ofenwandung vollständig mit Kacheln auskleidete. Die Idee des einziehenden Innenfeldes war damit noch lange nicht aufgegeben, wie man an den Tellerkacheln mit vierpaßförmiger Mündung sehen kann, die beispielsweise in Ettlingen noch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gefertigt wurden.

Tellerkacheln waren meist zusammen mit Pilzkacheln in losem Verband in den oberen, kalottenförmigen (?) Abschluß eines Ofens eingebaut. Auf der Burg Altdahn haben sich vier verschiedene Formen von Tellerkacheln erhalten. Damit wird deutlich, daß bereits bei den frühen Öfen gesteigerter Wert auf Vielgestaltigkeit durch Format- und Motivwechsel sowie durch Mehrfarbigkeit gelegt wurde.

* Autor: Harald Rosmanitz, Lohr a. Main, 2. Fassung 2005

Weiterführende Literatur:

Thomas Bitterli u. Daniel Grütter, Alt-Wädenswil. Vom Freiherrenturm zur Ordensburg. Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 27, Basel 2001, bes. 68-72, bes. 72;
Jean-Paul Minne, La céramique de poêle de l'Alsace médiévale, Strasbourg 1977, 152-153;
Eva Roth Kaufmann, René Buschor u. Daniel Gutscher, Spätmittelalterliche reliefierte Ofenkeramik in Bern. Herstellung und Motive, Bern 1994, 36-37 [ausführliche Definition der Pilzkachel];
Jürg Tauber, Herd und Ofen im Mittelalter. Untersuchungen zur Kulturgeschichte am archäologischen Material vornehmlich der Nordwestschweiz (9.-14. Jahrhundert) (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters 7), Olten/Freiburg i. Br. 1980, bes. 16, 317-318, 322-325.;

HausGEschichten. Bauen und Wohnen im alten Hall und seiner Katherinenvorstadt. Ausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum vom 1. Mai bis 31. Juli 1994 (Kataloge des Hällisch-Fränkischen Museums Schwäbisch Hall 8), Sigmaringen 1994, 459-416, Abb. 11.2, 13;
Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300. Katalog zur Ausstellung im Schweizerischen Landesmuseum Zürich vom 26. Juni bis 11. Oktober 1992, Zürich/Stuttgart 1992, 284-285.

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